Fränkischer Bund, Pressemitteilung vom 1. Juli 2008
Nach dem Motto „Das Imperium schlägt zurück“ hat der bayerische Innenminister Herr Herrmann, mit den eingesetzten Regierungspräsidenten im Schlepptau, nun die Keule geschwungen und alle Zentralbehörden und Gerichte angewiesen, sich dauerhaft, neben weiß-blau, auch mit der Bezirksfahne zu beflaggen.
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Artikel aus der Mainpost vom 17.07.2007
SCHANGHAI/GOSSMANNSDORF
Ein Frankenstammtisch in Fernost
Keine Stadt weltweit hat sich wohl so rasant entwickelt wie Schanghai. 20 Millionen Menschen leben in der chinesischen Wirtschaftsmetropole, darunter auch rund 9000 Deutsche. Einer von ihnen ist Ludwig Fella aus Goßmannsdorf bei Hofheim (Lkr. Haßberge), der Gründer des fränkischen Stammtisches in Schanghai.
Die Wirtsstube sieht fast so aus wie daheim: holzgetäfelte Wände, schwere Tische mit gedrechselten Beinen, Kachelofen, Bierkrüge aus Steingut, auf der Speisekarte Schweinsbraten, Leberkäs und Bratwürste. Als Ludwig Fella vor 20 Jahren das erste Mal nach Schanghai kam, gab es Lokale wie das „Max und Moritz“ noch nicht. Heute können Fella und seine Stammtischbrüder für ihre Treffen unter rund einem Dutzend deutscher Lokale wählen. „Da haben wir eine Menge Spaß dabei“, schmunzelt der 46jährige.
„Man lernt mit der Zeit immer mehr Franken kennen“
Ludwig Fella Ein Franke in Schanghai
Seit 1986 pendelt der Bankkaufmann zwischen den Welten. Seine Frau Lu Yan hat Ludwig Fella beim Studium in Schanghai kennengelernt. Er lernte Mandarin, sie Deutsch. Die beiden Töchter wurden geboren, als er mal wieder in Deutschland arbeitete, Stefanie in Nürnberg, Sofie in Aschaffenburg. Seit 1994 lebt die Familie mit kurzen Unterbrechungen in China, erst in Peking, seit 2001 in Schanghai.
Irgendwann kam Fella die Idee, einen Stammtisch ins Leben zu rufen. „Man lernt mit der Zeit immer mehr Franken kennen. Der erste war der Oliver aus Nürnberg, der als einziger Franke in Schanghai auch seine eigenen Bratwürste macht. Dann kamen noch ein paar dazu von den Fränkischen Rohrwerken in Königsberg, schließlich noch der ,Bomber' aus Gochsheim, Testfahrer in Schanghai bei VW. Damit war der Frankenstammtisch gegründet.“
Alle paar Wochen verschickt Fella per E-Mail die Einladungen, natürlich auf Schriftfränkisch, zum „Frongnstammdisch“ an all die Wahl-Schanghaier aus Ober-, Mittel- und Unterfranken. Christoph, Steuerberater aus Bayreuth, plaudert mit Klaus, Software-Programmierer aus Nürnberg. „Es ist schon schön, Leute zu treffen, über das gleiche Wirtshaus in Franken zu reden und mal wieder so ein Stück Heimat zu erfahren.“
Denn einiges davon vermissen die Schanghaier Franken doch sehr – zum Beispiel am Wochenende mal schnell raus ins Grüne zu fahren, in die Rhön, den Spessart oder die Fränkische Schweiz und sich in einen schattigen Biergarten oder an einen klaren See zu setzen. Vergleichbares gibt es in Schanghai nicht. Die Stadt besteht aus schier endlosen Betonschluchten und dehnt sich immer weiter aus. Die nächsten Berge oder Wälder sind eine halbe Tagesreise entfernt.
Am Frankenstammtisch holen sich Detlev aus der Rhön und Markus aus Mühlhausen bei Schweinfurt wenigstens die fränkische Gemütlichkeit für ein paar Stunden zurück. Denn Schanghai ist zwar bunt, aufregend und pulsierend wie kaum eine andere Metropole, sie nimmt aber oft auch die Luft zum Verschnaufen. Sieben-Tage-Wochen sind keine Seltenheit, Feierabend um 17 Uhr die große Ausnahme. Fast alle Franken, die in Shanghai leben, sind nur wegen der Arbeit gekommen. Kaum einer will hier für immer bleiben.
Auch Ludwig Fella zieht es immer wieder heim in die Haßberge. Wenn im Sommer in Schanghai die Temperaturen oft auf 40 Grad und mehr steigen und sich die Luft wie ein warmes feuchtes Tuch auf die Haut legt, reisen die Fellas nach Goßmannsdorf und besuchen die Familie. Über 40 Tanten, Onkel, Cousinen und Cousins warten schon. Denn außer Ludwig wohnen alle noch in Franken: Mutter Hildegard, Vater Burkard sowie seine Schwester Susanne mit ihrer Familie in Goßmannsdorf, Bruder Stefan in Bad Kissingen.
Heimische Gemütlichkeit
„Bald ist es wieder so weit“, freut sich Ludwig Fella schon jetzt. Und dann will er in dem kleinen beschaulichen Haßbergedorf wieder all das genießen, was ihm das große glitzernde Schanghai nicht bieten kann. „Zwei Stunden beim Frühstück in der Küche hocken, ein knuspriges Weggla zu essen, den Boten vom Haßgau lesen, und abends macht mein Vater noch einen Bocksbeutel auf – das nenn' ich das Paradies.“
Von unserem Mitarbeiter Frank Hollmann
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Artikel aus der F.A.Z. vom 20.10.2007
Wanderarbeiter
Leberkäs in Schanghai
Von Frank Hollmann
Die Deutschen haben´s schwerer als ihre Produkte
24. Oktober 2007
Die Wirtsstube sieht nicht anders aus als in Nürnberg oder Würzburg: holzgetäfelte Wände, schwere Tische mit gedrechselten Beinen, Kachelofen, Bierkrüge aus Steingut, auf der Speisekarte Schweinsbraten, Leberkäs und Bratwürste. Als Ludwig Fella vor 20 Jahren das erste Mal nach Schanghai kam, gab es Lokale wie das "Max und Moritz" noch nicht. Heute können Fella und seine Stammtischbrüder für ihre Treffen unter rund einem Dutzend deutscher Lokale wählen. "Da haben wir eine Menge Spaß dabei", schmunzelt der 46-Jährige.
Der fränkische Stammtisch ist vielleicht das ungewöhnlichste Netzwerk, das Deutsche in der ostchinesischen Boomtown geschaffen haben. Dabei hatte Fella gar kein Netzwerk im Sinn, als er den Stammtisch ins Leben rief. Nach Jahren in der asiatischen Ferne wollte er sich einfach mit Menschen aus der alten Heimat treffen, den weichen Dialekt seiner Kindheit sprechen und dabei auch verstanden werden. Ein Jahr ist das jetzt her, dass die ersten drei Schanghaier Franken gemeinsam anstießen. "Wir sind jetzt fast fünfzig, das war nicht abzusehen", sagt Fella.
Aus Bamberg und Bayreuth
Einmal im Monat treffen sich Banker, Journalisten, Lehrer, Ingenieure, Rechtsanwälte und Steuerberater, die eines gemeinsam haben: Sie kommen aus Bamberg und Bayreuth, aus der Fränkischen Schweiz oder dem Frankenwald, vom Main oder der Fränkischen Saale. Vor allem Neuankömmlingen erleichtert der Stammtisch das Einleben 9000 Kilometer östlich von Deutschland, betont Uwe Stehrenberg, Stammtischbruder der ersten Runde: "Für einige, die den ganzen Tag in der Produktion sitzen und sonst kaum Kontakt zu anderen Leuten haben, für die ist das ein wichtiges Netzwerk, um Freunde zu finden weg von der Firma."
Stehrenberg weiß, wovon er spricht. Der Geschäftskundenberater einer großen Bank hat schon in Kasachstan und Japan gelebt und gearbeitet. Schanghai ist seine dritte asiatische Station, und auch hier vertraut er auf seine geschäftlichen und privaten Netzwerke. Er besucht die Treffen der deutschen Außenhandelskammer und spielt mit Gleichgesinnten Handball. "Ohne Netzwerk kein Kunde, wobei sich im Ausland privates und geschäftliches Netzwerk vermischen." In Deutschland sehe das ganz anders aus. Bloß die Arbeit nicht mit nach Hause nehmen. "Wenn ich aber hier eine Party zu Hause mache, sind bestimmt 80 Prozent Kunden dabei. Wen lernt man sonst auch kennen aus dem eigenen Land?"
Auch Brigitte Wolff hat einen Großteil ihrer Freunde und Bekannten bei Geschäftsterminen kennengelernt. Vor rund fünf Jahren fiel der Unternehmensberaterin auf, dass in Schanghai ungewöhnlich viele Frauen in Führungspositionen arbeiten. Daraus entstand das Treffen der "Businesswomen", etwa 40 bekommen heute die Einladungen zum monatlichen Abendessen.
„Also haben wir Netzwerke“
Auch Eva Schwinghammer, China-Chefin des Nähmaschinenherstellers Trumpf und Vorstandsmitglied der deutschen Außenhandelskammer in Schanghai, kommt regelmäßig. "Wenn man hier lebt, gestaltet sich die Freizeit anders. Da braucht man solche Treffen, um Leute kennenzulernen." Sich so zu integrieren wie in einer westlichen Stadt sei nicht denkbar. "Man braucht ein Umfeld, in dem man sich entwickeln kann. Also haben wir Netzwerke." Denn während nach China entsandte deutsche Männer meist mit Familie kommen oder hier häufig schnell eine chinesische Partnerin finden, kommen weibliche Führungskräfte meist allein und bleiben es häufig auch. Beziehungen zwischen chinesischen Männern und westlichen Frauen sind die große Ausnahme in der 20 Millionen Einwohner zählenden Metropole.
Netzwerke wie der Frankenstammtisch oder die Businesswomen bieten aber nicht nur ein Leben neben, sie helfen auch im Beruf. Stolz berichtet Brigitte Wolff, dass nun auch hochrangige Diplomaten oder Industriebosse die Einladungen zu ihren Treffen annehmen. Die Businesswomen böten ihr eine Plattform. Mit dem illustren Kreis erfolgreicher Frauen im Rücken traut sie sich, Persönlichkeiten anzurufen, ohne sich dabei "verloren zu fühlen".
Auch Ludwig Fella fühlt sich in seinen zahlreichen Netzwerken aufgehoben, bei seinem Frankenstammtisch und seiner Fußballmannschaft, dem Freundeskreis seiner chinesischen Frau und den Kollegen in der Bank: "Wir knüpfen an einem Riesennetzwerk. Das macht Spaß. Das kann man in Deutschland nicht so machen, weil die Leute schon vernetzt sind und nichts Neues brauchen. Das ist das Interessante an dem Leben hier in Schanghai."
Text: F.A.Z., 20.10.2007, Nr. 244 / Seite C4
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